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Neues Jahr, neue Chancen

Ein neues Jahr beginnt. Jeder hat andere Bilder im Kopf, wenn er oder sie an Rosch Haschana denkt. Für die einen ist es der süße Geschmack des Apfels, der zuvor in Honig eingetaucht wurde, als Symbol für ein gutes und süßes Jahr, das wir uns alle gegenseitig wünschen. Andere wiederum denken unmittelbar an den Klang des Schofar, jener mächtige Ton des Widderhorns, der uns sagen will: „Wacht auf ihr Schlafwandler von eurem Schlaf, und erhebt euch ihr Träumer“ (Maimonides, Hilchot Twschuwa, 3:4).

Welche Assoziationen auch immer man mit Rosch Haschana und Yom Kippur hat, es gibt keinen Juden, der zu den Feiertagen emotionslos bleiben kann.

Ein wesentlicher Aspekt der Zeit rund um Rosch Haschana ist „Cheschbon Hanefesch“, das Reflektieren über die Vergangenheit, und „Kabala La’atid“, sich Dinge für die Zukunft vornehmen. Im Alltag findet man nur selten Gelegenheit zum In-sich-Gehen. Die Gefahr besteht, dass die Jahre vergehen, ohne dass man sich Gedanken über sich selbst, seine Schwächen und Stärken, seine Ziele und seine Taten gemacht hat. Hier kommt die Religion ins Spiel. G’tt hilft uns, indem er uns einmal im Jahr auffordert, die Bremse zu ziehen.

Was im Zeitalter, in dem alle bis zu 24 Stunden online sind, „Selbstreflexion“ und „Entschleunigung“ genannt wird, kennt der jüdische Kalender schon seit über 3.000 Jahren. „Entschleunigung“ an jedem Schabbat und „Selbstreflexion“ zu Rosch Haschana und Jom Kippur.

Fehler korrigieren, Gutes noch besser machen

Unsere Weisen nennen in Bezug zu Selbstreflexion zwei unterschiedliche Bezugspunkte: Der eine ist „Ben Adam Lamakom“, die Reflexion unseres Verhältnisses zu G’tt, die Beziehung des Menschen zur Religion mit seinen Auswirkungen auf Gedanken und Taten. Der andere Bezugspunkt ist „Ben Adam Lechawero“ – das Verhältnis zu den Mitmenschen. Vom engsten Kreis der Familie über Freunde und Bekannte, bis zu Fremden, die unsere Unterstützung benötigen.

Unsere Aufgabe ist es zu erkennen, was wir gut gemacht haben, um es noch besser zu machen. Zu erkennen, wo wir Fehler begangen haben, um uns zu verbessern. Eine der Lehren ist es, dass der Mensch nicht aufgeben darf, weder sich selbst, noch seinen Mitmenschen. Wir müssen uns gegenseitig die Chance geben, Dinge besser zu tun und zu verzeihen. Was für jeden Einzelnen gilt, hat auch im gesellschaftlichen Kontext seine Gültigkeit.

Der Umgang mit unseren Mitmenschen

Auch eine Gemeinde muss regelmäßig innehalten und diskutieren, ob sie in allen Belangen den richtigen Weg eingeschlagen hat. Auch eine Gemeinde muss die Stärke zeigen, Gutes zu verbessern und weniger Gutes zu ändern. Und auch innerhalb einer Gemeinde gibt es die Aspekte von „Ben Adam Lamakom“ – Entscheidungen, mit denen wir uns vor G’tt rechtfertigen müssen – und „Ben Adam Lechawero“ – der Umgang mit unseren Nächsten.

Rosch Haschana ist Chance und Verpflichtung zugleich. Es liegt an jedem von uns, richtige Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam mit dem Apfel im Honig sind das die besten Voraussetzungen für eine gutes und süßes Jahr. Shana Tova Umetuka!

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